In der Rubrik »Neues Testament aktuell« skizziert Michael Wolter, welche Impulse die Paulusforschung in Deutschland, deren eigenes Profil weiterhin durch die Grundimpulse der Reformation geprägt ist, auch durch die vor allem im angelsächsischen entwickelte »new perspective on Paul« erhalten hat. Der Bericht »Paulus in Amerika« von Margaret Mitchell vertieft diesen Aspekt und öffnet Tore in die »Neue Welt« und deren Paulusrezeption. Peter Arzt-Grabner zeigt in seinem Aufsatz »Die Paulusbriefe im Lichte der Alltagspapyri«, welchen Beitrag papyrologische Zeugnisse für das Verstehen der Paulusbriefe leisten und führt anhand der Alltagspapyri vor, dass das intensive Studium der »Umwelt« des NT gerade dort überraschend Neues und Anregendes zutage fördern kann, wo man meint, das Wesentliche eigentlich schon zu wissen. Ute E. Eisens Beitrag »›Ich vernichte die Streitwagen...‹ - Aspekte paulinischer Herrschaftskritik und ihre alttestamentlichen Wurzeln« liest Paulus im Kontext zeitgenössischer politischer Realitäten und Hoffnungen und warnt so vor aller Verharmlosung seines Denkens durch Reduktion nur auf das Spirituelle oder rein Theologische. Die »Kontroverse« zwischen Hendrik Boers und Hans-Joachim Eckstein dokumentiert am Beispiel der aktuellen Debatte um den Stellenwert der Rechtfertigungslehre bei Paulus, dass traditionelle, einst nach Konfession oder Generation ausgerichtete Frontstellungen längst obsolet geworden sind. Die Aufgabe, sich mit diesen zentralen Themen unter neuen Gesichtspunkten zu befassen, besteht aber weiterhin und ebnet den Weg für neues Verstehen. Richard Hays’ Beitrag in der Rubrik »Hermeneutik und Vermittlung« zeigt modellhaft, wie sehr die paulinische Theologie von einer durchaus eigenständigen Rezeption des Alten Testaments geformt ist und gibt so Impulse für unsere eigene Auseinandersetzung mit dem Buch, das –zu Recht oder zu Unrecht – immer wieder als »Hebräische Bibel« bezeichnet wird. Die »Buchreports« von Peter Busch (rezensiert Robert Jewett, »Saint Paul Returns to the Movies. Triumph over Shame«) und Michael Schneider (rezensiert Udo Schnelle, »Paulus. Leben und Denken«) bringen zwei anregende, wenn auch völlig unterschiedliche Publikationen zum Thema des Heftes nahe.
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