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Zeitschrift für Neues Testament im Internet  


Heft 17 (Themenheft)
Gewalt und Gewalterfahrung

Nr. 17 / 9. Jahrgang / 2006

 

Im Vordergrund dieses Themenheftes steht der Zusammenhang von Christentum und Gewalt, zumal Religionskritiker stets einen Zusammenhang zwischen praktizierter Gewalttätigkeit und geglaubter Ausschließlichkeit des Einen Gottes gesehen haben und den zentralen Glaubensinhalt des Christentums, wonach gemäß göttlichen Willens die Erlösung der Welt durch den blutigen Kreuzestod Jesu von Nazareth erwirkt wurde, als besonders gewaltverherrlichend und gewaltfördernd angeprangert haben. Wie also steht es mit »Gewalt« im Neuen Testament? Die Beiträge des vorliegenden Bandes liefern wie immer Hintergründe und Denkanstöße, um in der gegenwärtigen Diskussion zu einem reflektierteren Urteil zu gelangen. Martin Leutzsch orientiert über den gegenwärtigen Stand der Forschung und zeigt auf, wie vernachlässigte Aspekte von »Gewalt und Gewalterfahrung im NT« neu zum Sprechen gebracht werden können. François Vouga führt ein in das Denken des französischen Literatur- und Kulturwissenschaftlers René Girard, der wie kaum ein anderer gegenwärtiger Kritiker sich mit traditionellen christlichen Sühnevorstellungen auseinandergesetzt und ihre bleibende Bedeutung für Kultur und Ethik reflektiert hat. Martin Evangs Beitrag zum 1. Petrusbrief versteht sich als Fallstudie über gelebte Gewaltlosigkeit einer frühchristlichen Gruppe inmitten einer gleichgültigen oder gar offen ablehnenden Umwelt. Gerd Theißen diskutiert in gewohnter Breite und Tiefe neutestamentliche Ansätze zum Umgang mit Aggression und Aggressionsbearbeitung. Ob der Eine Gott gewalttätig ist, diskutieren Jan Assman und Eckard Reinmuth in einer besonders spannenden Kontroverse. Michael Schneiders Beitrag in »Hermeneutik und Vermittlung« behandelt die ganz aktuelle und individuelle Rezeption apokalyptischer Texte, die ja oft drastische und höchst gewaltbetonte Aussagen enthalten, in Songs von Xavier Naidoo. Peter Buschs Buchreport schließlich greift aus der Flut neuerer Publikationen zum Thema einen Band heraus, der besondere Aufmerksamkeit verdient. Insgesamt lohnt sich in diesem Zusammenhang sicher auch noch einmal ein Blick in den Beitrag von Robert Jewett zu den biblischen Wurzeln des amerikanischen Messianismus in ZNT 15 (2005).

Neues Testament aktuell

Martin Leutzsch, Gewalt und Gewalterfahrung im Neuen Testament. Ein vergessenes Thema der neutestamentlichen Wissenschaft?

Zum Thema
Francois Vouga, "Gott hat ihn als Sühneort hingestellt": René Girard, das Problem der Stellvertretung, traditionelle Vorstellungen des Todes Jesu und Paulus
Martin Evang, Gewalt und Gewaltlosigkeit in der Strategie des 1. Petrusbriefes
Gerd Theißen, Aggression und Aggressionsbearbeitung im Neuen Testament. Ein Beitrag zur historischen Psychologie des Urchristentums
Kontroverse
Ist der eine Gott gewalttätig?
(eingleitet von Stefan Alkier)

Jan Assmann, Ist der Eine Gott gewalttätig?

versus

Eckart Reinmuth, Ist der eine Gott gewalttätig? Fragen an das Neue Testament

Hermeneutik und Vermittlung
Michael Schneider, "Hast du gehört, Armageddon ist da". Rezeption biblischer Texte und Motive in ausgewählten Texten Xavier Naidoos
Buchreport

Peter Busch, Walter Dietrich/Moisés Mayordomo, Gewalt und Gewaltüberwindung in der Bibel, Zürich 2005

 


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