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Heft 27 (Themenheft)
Religion und Körper

Nr. 27 / 14. Jahrgang / 2011

Neues Testament aktuell 

Christian Strecker, »It matters!« - Der Körper in der jüngeren neutestamentlichen Forschung

Einzelbeiträge

Annette Weissenrieder,  »Am Leitfaden des Leibes«  -  Der Diskurs über soma in Medizin und Philosophie der Antike

Markus Sehlmeyer, Proskynese und andere Loyalitätsgesten in der frühen Kaiserzeit - Christen, Polytheisten und der Körper (Abstract Sehlmeyer.pdf)
François Vouga, Körper und Realpräsenz bei Paulus
Kontroverse: Der »Leib Christi« in den Abendmahlsworten: Interpretament oder Fundament?
Eckart Reinmuth
versus
Matthias Klinghardt
Hermeneutik und Vermittlung
Andrea Bieler, »Und dann durchbricht jemand die absolute Quarantäne und segnet dich« - Über die erzählte und ritualisierte Leib-Gestalt von Krankheit

Buchreport  
Claudia Janssen, Anders ist die Schönheit der Körper. Paulus und die Auferstehung der Toten in 1Kor 15, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2005
(rez. von Jürgen Zangenberg)



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Liebe Leserin, lieber Leser,

dass die christliche Theologie zu den Geisteswissenschaften zählt, ist ihr schon immer sehr recht gewesen. Zum menschlichen hat sie schließlich in ihrer eigenen Zuständigkeit noch einen anderen, überlegenen, den göttlichen Geist vorzuweisen. Welche Wissenschaft ist also eine Geisteswissenschaft, wenn nicht die Theologie? Indes kommt ihr der Geist, auf den sie sich beruft, wenn sie über den Literalsinn der Realität hinaus strebt, geradewegs entgegen in seiner Leidenschaft für die Materie. Der Logos ward Fleisch, das Geistesleben zum Leibesleben. Das vorliegende Heft der ZNT zum Thema »Religion und Körper« will zumal der Neutestamentlichen Wissenschaft einen Anstoß geben, jene inkarnatorische Gegenbewegung des Geistes auf ihrem eigenen Feld neu zu bedenken. Interdisziplinär ist das Thema – terminologisch und sachlich zwischen »Leib-Sein« und »einen Körper haben« sich bewegend – sichtlich von Interesse. In der Gegenwart werden in Philosophie und Kulturwissenschaften Körperkonzepte in großer thematischer und methodologischer Vielfalt diskutiert. Angesichts dessen kommt die Rückfrage nach der neutestamentlichen Rede von Leib bzw. Körper nicht von Ungefähr. In seiner Doppelrolle als Korpus antiker Texte und Schriftenkanon einer Weltreligion ist das Neue Testament gefragt, ob es hierzu Eigenes und Wesentliches zu sagen hat. Christian Strecker gibt bereits im Titel seines Aufsatzes eine erste Antwort: »›It matters!‹ – Der Körper in der jüngeren neutestamentlichen Forschung«. Nach einem kundigen survey des kulturwissenschaftlichen Umfeldes zeigt er anhand wichtiger neuerer Titel in informativer und inspirierender Weise Perspektiven für weitere Forschungen auf. Bei den drei Beiträgen »Zum Thema« überwiegt die Perspektive auf die Antike: Annette Weissenrieder macht anhand medizinischer Literatur aus klassischer und hellenistisch-römischer Zeit deutlich, dass neutestamentliche Aussagen zum physischen wie zum sozialen Leib einen spezifisch antiken Verstehenshintergrund voraussetzen, der unser modernes Verständnis der Texte nicht unwesentlich tangiert. In den Bereich des Politischen führt der altertumswissenschaftliche Beitrag von Markus Sehlmeyer zu körperlich-rituellen Aspekten römischer Reichsreligion, namentlich im Kaiserkult. Auch aus dieser Perspektive eröffnen sich wichtige Zugänge zum kulturellen Umfeld des Neuen Testaments. Einen theologischen Akzent setzt dagegen François Vouga, der einen Weg durch das schwierige Terrain paulinischer Leib-Aussagen weist und diese von theologischen und anthropologischen Grundentscheidungen des Paulus her erschließt. Mit Paulus ist auch die gehaltvolle Kontroverse zwischen Eckart Reinmuth und Matthias Klinghardt befasst. Es geht um die Streitfrage, ob Paulus die ekklesiale Gemeinschaft der korinthischen Gemeinde in den Abendmahlsaussagen in 1Kor 10f. prägnant vom Körper des gekreuzigten Christus her begründet oder unter Rückgriff auf ein antik geläufiges Ethos gemeinsamer Mähler. Unter der Rubrik »Hermeneutik und Vermittlung« fragt Andrea Bieler nach Leib-Erfahrungen kranker Menschen in Segnungsgottesdiensten. Eindringlich nimmt sie theologische Rede von Leiblichkeit beim Wort und erinnert damit den exegetischen Begriff, der sich gar zu gern in die Abstraktion verabschiedet, an seine praktisch-theologische Sache. Der Buchreport von Jürgen Zangenberg beschließt das Heft mit der kritischen Würdigung einer Monographie, die diesen Brückenschlag aus exegetischer Perspektive unternimmt.

In eigener Sache verabschieden wir an dieser Stelle Gabriele Faßbeck aus dem Kreis der Herausgeberinnen und Herausgeber der ZNT. Frau Faßbeck, Gründungsmitglied der ZNT, scheidet wegen zahlreicher anderer Verpflichtungen auf eigenen Wunsch aus; gern lassen wir sie nicht ziehen, denn ihr stetes Engagement und ihr kritisches Urteil, wofür ihr hiermit herzlich gedankt sei, werden der ZNT fehlen. Ein herzliches Willkommen sagen wir Christian Strecker, der seit diesem Heft zum erweiterten Herausgeberkreis gehört. Die ZNT und ihre Leserinnen und Leser dürfen von seiner Mitarbeit neue und wichtige Impulse erwarten.

Stefan Alkier

Eckart Reinmuth

Manuel Vogel

 

 

 

 

 

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